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Walter Pichler Zeichnungen: fuer meine Mutter



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WALTER PICHLER
Zeichnungen:
fuer meine Mutter

15. Mai bis 15. November 2010


Zeichnungen im Bergfried zum Leben seiner Mutter und ihrer Geschichte zur Zeit der Option.

Edith Schlocker:
Walter Pichler ist Bildhauer. Seine Welt ist das Dreidimensionale. Der ideale Ort fuer die Umsetzung seiner Ideenwelt ist fuer den gebuertigen Suedtiroler St. Martin im Burgenland, wo Pichler seit vielen Jahren lebt und arbeitet.
Um sich dem Raum oder der Skulptur anzunaehern, zeichnet Walter Pichler. 'Zeichnen ist fuer mich aber auch sehr befreiend', sagt Pichler, bedeute die unmittelbare Notation von Gedanken und Emotionen. 'So wie andere schreiben, zeichne ich halt. Ich koennte gar nicht denken ohne zu zeichnen', bringt es der Kuenstler auf den Punkt.
Mit schmerzhaften Emotionen sehr viel zu tun hat der Zyklus ganz neuer Zeichnungen, die Walter Pichler im Bergfried auf Schloss Tirol zeigt. Unmittelbar damit haben auch Pichlers Zeichnungen zu tun, in denen er die Geschichte seiner Mutter erzaehlt. Geschichten, die der 1936 als juengstes von neun Kindern geborene Kuenstler zum groessten Teil nur vom Hoerensagen kennt. Die meisten spielen in der Suedtiroler Heimat, einige auch in Telfs, wo die elfkoepfige Familie nach der Option lebte. 'Das Leben in der Telfer Suedtirolersiedlung kam einem Ghetto gleich, jeder Schulweg war ein Kampf', erinnert sich Pichler.
Worum es Walter Pichler geht, ist, mit diesem Zyklus Wiedergutmachung an dem zu leisten, was an 'meiner Mutter verbrochen wurde'. Wobei es fuer den Kuenstler wichtig ist, dass diese Zeichnungen nicht nur fuer das Schicksal seiner Mutter stehen, sondern fuer das unzaehliger Frauen ihrer Generation, denen ganz Aehnliches widerfahren sei.
In rund 30 Sequenzen erzaehlt Pichler diese Geschichten, auf ganz kleinen Blaettern und sehr grossen. Nur leicht mit Bleistift hingehaucht oder in expressiver Wucht opulent farbig zelebriert.
Jedes der Blaetter erinnert an eine ganz spezielle Begebenheit. In einer klammert sich etwa die Mutter mit aller Kraft an den Felswaenden des Eggentals fest, aus dem sie gegen ihren Willen vom Vater an den Beinen gewaltsam herausgerissen wird. Von wuterfuellter Expressivitaet strotzend ist dagegen jene, die Pichler seiner, wegen ihrer Taubstummheit dem NS-Euthanasieplan zum Opfer gefallenen Schwester gewidmet hat. Ein Ereignis, das der Mutter den Rest gegeben hat. Sie wurde nur 54 Jahre alt.

DOWNLOAD Einladung Walter Pichler

Oeffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 17 Uhr, im August bis 18 Uhr.
Tel.: +39/0473-220221 / info@schlosstirol.it



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Walter Pichler, Brücke, 2009. Foto/ Courtesy Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck

 
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