Auf Schloss Tirol wird es nie langweilig!

Jährlich finden hier epochenübergreifend, dank intensiver Recherche und geschätzter Zusammenarbeit mit angesehenen Fachleuten, eine große Themenausstellung sowie weitere kleinere Nebenausstellungen statt, die sich auf wichtige Persönlichkeiten oder Ereignisse Tirols konzentrieren.

Die Ausstellungen der vergangenen Jahre finden Sie unter Archiv Ausstellungen.

Global ’500

1522 – 2022
Von der Umsegelung der Erde zur Wahrnehmung des Globalen
Lois Fasching & Arnold Mario Dall’O

vom 26. März bis 5. Juni 2022

500 Jahre nach der ersten Weltumsegelung durch Ferdinand Magellan zeigt das Landesmuseum Schloss Tirol das geschichtliche Ereignis in einer Kunstinstallation von Lois Fasching. Dazu kommt die Erstpräsentation der originalen, von Arnold Mario Dall’O mit Linolschnitten überdruckten Weltkartenblätter aus dem Werk „Mein Handatlas“. Ursula Stampfer wählte aus dem reichen Bestand bibliophiler Schätze in regionalen Bibliotheken die 19 signifikantesten Weltkarten und Reiseberichte aus. Die Ausstellung versteht sich selbst als Erkundungsgang durch das Phänomen der Globalisierung, festgemacht an historischen Figuren, den alten historischen Karten und dem künstlerischen Umgang mit einem beständig sich verändernden Welt(karten)bild.

Wie kam es zu dieser Ausstellung, die an die Weltumsegelung durch Magellan vor 500 Jahren erinnert? Der Osttiroler Bildhauer Lois Fasching brachte zunächst „seine“ Idee ins Haus. Ihm schwebte von Anfang an vor, auch die Beteiligung Tirols am „Unternehmen Weltumsegelung“, indirekt mitfinanziert u. a. durch das Schwazer Silber, nicht unbeachtet zu lassen. Dabei war entscheidend, einen Blick auf die Anfänge der kolonialen Vergangenheit Europas zu werfen. Faschings Überlegungen gehen dahin, es bei der Darstellung nicht bei bekannten Persönlichkeiten zu belassen. Wie reagiert nämlich der thronende Karl V. auf den vor ihm stehenden Michael Gaismair? Wie präsentiert sich Jakob Fugger gegenüber dem noch jungen Kaiser? Auch die Opfer des Unternehmens kommen vor. Die Bewohnerinnen der Molukken werden in ihrer personalen Würde erfasst. Aus den die einzelnen Stationen markierenden Inselbildern heben sich die in Aluminium geschnittenen Schiffe ab, die allesamt mit Kanonenrohren ausgestattet sind.

Es ist mehr als ein Zufall, dass sich zugleich Arnold Mario Dall’O in seinem „Weltatlas“ mit dem Thema beschäftigte. Dall’O bereitete 2020 seinen „Weltatlas“ vor, den er im Übereinanderlegen eines historischen Atlanten und seiner in Linolschnitten verbildlichten momentanen Erzähllaune verband. Auch die 100 Linolschnitte aus dem Stieler-Atlas führen in eine Dreidimensionalität. Die im Folio-Verlag 2022 erschienene, von Dall’O ausgedachte und gestaltete Publikation „Mein Handatlas“ erfährt somit eine Raumkomposition und die Exposition der „Originale“.

So brauchte es nur noch einen, wenn man so will, landesgeschichtlich affinen Kitt, der sowohl in die Geschichte greift als auch einen bislang unbekannten oder weniger beleuchteten Teilaspekt bringt: Das Fortleben der „Entdeckungen“ in den bibliophilen Zimelien in Tirolischen Bibliotheken. Ursula Stampfer, von Haus aus mit den historischen Bibliotheken und ihren Beständen bestens vertraut, hat aus den vorhandenen Bücherschätzen eine themenkongruente Auswahl getroffen, die nun die lokale Rezeption der Entdeckungen widerspiegelt. Die bibliophilen Buchschätze heben bislang vernachlässigtes Material ans Licht und fragen in den zwischen dem ausgehenden 15. und dem 18. Jahrhundert entstandenen Drucken nach Text- und Bildrezeptionen neu entdeckter Welten.

Georg Thuille. Menschenbilder

vom 26. März bis 5. Juni 2022

Die Kunstposition im Bergfried ist dem Kunstschaffen des Malers Georg Thuille gewidmet. Georg Thuille kam 1946 in Vorarlberg zur Welt, seine Eltern hatten 1939 im Zuge der Option Südtirol verlassen. Die Familie kehrte erst 1950 nach Taufers im Münstertal zurück. Entscheidend zeigte sich seine Ausbildung auf der Gewerbefachschule für Malerei und Grafik, die er zu Beginn der 1960er-Jahre in Innsbruck besuchte. Die Schule bot das Experimentierfeld für eine Vielzahl von Techniken. Hier wurde auch das buon fresco geübt. Technisch bildete dies die Voraussetzung, dass Karl Plattner für die Ausmalung der Europakapelle an der Europabrücke sich den jungen Thuille 1964 als Gehilfen aussuchte. Freie Pinselführung, Exaktheit im Strich, die Schnelle in der Ausführung, das hatte Thuille nicht in der Fachschule, sondern bei Plattner gelernt.

Thuille begegnet als ein stiller und zurückhaltender Gestalter. Autonom bildet er selbstbestimmt seine Formenwelten, in die er sich zurückzieht, die ihm Heimat bieten. Er wendet vor allem die Technik der Ätzmalerei (Ätztechnik auf Metall) an. In den „Menschenbildern“ finden sich bewegte und statische Körper, Rumpfteile mit Köpfen, oft im verlorenen Profil, oft ohne Binnenzeichnung, sprachlos-wortlose Gebilde, Akte, Torsi. Freiheit entsteht im Bild durch Bewegung, die geradezu akrobatisch anmutet und eindeutig einer Vorstellung entspringt, die einem neuen Kosmos verdankt ist.

Thuilles Bilder kommen in der Regel ohne Titel aus. Dabei bleiben alle Fenster der Interpretation geöffnet, Lesevorgänge weiten sich, Dialektik führt zu einem Dreischritt zwischen Idee, Bild und Rezipient. Bestimmend bleiben die grafische Form, der geschlossene Umriss, nicht die lesbare Ausarbeitung im Detail, dies verlangt sich Thuille nicht ab, er lässt da Vieles offen.

Thuille hat die Kunst nicht zum Brotberuf gemacht. Kunst bleibt sein Seelengeheimnis, sie ist der dialogische Vorgang, der vom Selbstgespräch zum fingierten Zwiegespräch befähigt. Thuille ist der ganz andere Künstler. Dass er seine Arbeiten nicht zum Verkauf anbietet und somit auch am Ausstellungsmarkt nicht vertreten ist, schürt die Neugier nach seiner eremitisch verborgenen Person. Allemal gehört seine künstlerische Betätigung zu den stillen Antworten auf die immer wiederkehrenden Fragen des Menschen nach seinem Sein, seinem Werden und Vergehen.

Liebe, Tod und Teufel. Theater in Tirol

vom 2. Juli bis 20. November 2022

Die Themenausstellung beschäftigt sich mit der Geschichte und den „Geschichten“ des Theaterschaffens im historischen Tirol. Dabei wird nicht allein ein Blick auf die Anfänge geworfen, sondern in Themensequenzen die Entwicklungsstränge zusammengefasst. Geistliches und profanes Spiel im Mittelalter wird genauso berührt wie das Jesuitenspiel oder das Hoftheater in der frühen Neuzeit, das barockzeitliche Schultheater, die Umgangsspiele, das Volksschauspiel oder die Entwicklung der großen Häuser. Auch ein Blick auf das Passionsspiel in Erl darf nicht fehlen, ebenso wenig das an sich weite Thema der Freilichtspiele oder die italienischsprachigen Bühnen Bozens.

Dabei entsteht ein buntes und bewegtes Bild, welches bis in die Gegenwart reicht. Der kulturhistorische Anspruch setzt auf zahlreiches Anschauungsmaterial, welches vielfach erstmals gezeigt werden dürfte. Eine Ausstellung zur Theatergeschichte des Landes hat es bislang noch nicht gegeben, insofern kommt dem Projekt eine Vorreiterrolle zu.

Wilhelm Senoner. Persona

vom 2. Juli bis 20. November 2022

Wilhelm Senoner vollendet 2022 sein 76. Lebensjahr. Seine Heimat St. Ulrich/Gröden hat er nie für längere Zeit verlassen. Aufgewachsen ist er in einer Bildhauerwerkstatt traditioneller Prägung. Hier wurde der Wert auf stilreine und qualitative Wiederholung historischer Modelle gelegt. Erst nach und nach entband er sich diesem Formzwang und fand zu seinen eigenen Figuren. In Ergänzung an die das Theatergeschehen in Tirol illustrierende Themenausstellung scheint der Hinweis auf die „persona“ zielführend zu sein. Senoner arbeitet nun schon seit 1995 mit Figurenmodellen, die sich in Attitüde und Form gleichen, die, abgesehen von den Kennzeichen der Geschlechtlichkeit, sich nur unwesentlich unterscheiden und eine theatralische, formarchaische Note abgeben.

Auch Wilhelm Senoners Kunst berührt das Stereotype in der Aussage des Menschlichen. Sein Blick gilt menschlichen Eigenschaften und Charakteren. Im Laufe der Zeit legt er immer mehr Wert auf Lesbarkeit. Damit gewinnt die Plastik an malerischen Qualitäten. Dass er mit den grob bearbeiteten Lindenholzplanken einerseits die schroffen Felswände seiner engeren Heimat meint, oder Leinwände so bearbeitet, dass alle Farbbotschaft auf einem Reliefgrund zu liegen kommt, unterstreicht sein plastisches Empfinden. Die Auswahl der gezeigten Objekte hat Senoner selbst verantwortet, ebenso deren Anordnung im Ausstellungsparcours. Sein Blick berührt die Entwicklung der letzten Jahre.