Brautbecher der Margarete von Tirol

um 1310 (Replik 21. Jh.)

Der sogenannte „Brautbecher“ ist aus Silberblech getrieben. Die feuervergoldete Innenseite und der Lippenrand sind die Schauseite, eine Kokosnussschale fasste ursprünglich die Außenseite, was die Dünnwandigkeit der Silberarbeit erklärt.

Der Dekor besteht aus sechs großen, in einen gepunzten Grund gesetzten symmetrischen, spitzlappigen Blättern, die durch lilienbekrönte Zepter getrennt sind. Den Boden ziert ein Sechsstern. Der Lippenrand zeigt in gotischen Majuskeln auf schraffiert graviertem Hintergrund die Inschrift „+LIEBES·LANGER·MANGEL·IST·MIINES·HERZEN·ANGEL“ (mhd. „angel“ = Stachel). Das Zitat ist aus dem nachklassischen Artusroman „Meleranz“ des Schriftstellers Pleier aus dem 13. Jh. genommen.

Seit 1734 wird der „Brautbecher“ mit der Tiroler Landesfürstin Margarete in Verbindung gebracht. Er wäre demnach ein Geschenk ihres zweiten Ehemanns Ludwigs „des Brandenburgers“ zur Hochzeit am 10. Februar 1342.

Die Inschrift wurde als Hinweis auf Margaretes 1330 geschlossene, unglückliche erste Ehe mit Johann Heinrich von Luxemburg gedeutet, die Blätter des Dekors als Beifuß (Artemisia vulgaris), ein in der Volksmedizin gegen Frauenleiden und Verhexung gebrauchtes Kraut. Jedoch lassen sich weder die erste noch die zweite Heirat mit dem Alter des originalen Stückes vereinbaren, welches in die Jahre um 1310 anzusetzen ist; der Becher dürfte aus der Schatzkammer von Margaretes Vater Heinrich stammen.

Als die bayerischen Besatzer die verfallene Burg 1808 verkauften, gelangte der Becher nach Wien, wo er der im Unteren Belvedere in Wien ausgestellten Ambraser Sammlung zugeordnet und 1819 als „ein Becher […] der Margarethe Maultasche“ inventarisiert wurde.

Anlässlich des Gedenkjahres des Übergangs von Tirol an die Habsburger (1363–2013) wurde diese originalgetreue Kopie durch den die HDEMC Hessenberger GmbH in Attnang-Buchheim für Schloss Tirol angefertigt.

Inschrift: „+LIEBES·LANGER·MANGEL·IST·MIINES·HERZEN·ANGEL“

Literatur

Leo ANDERGASSEN, »Brautbecher« der Margarete von Tirol, in: Julia Hörmann-Thurn und Taxis (Hg.), Margarete Gräfin von Tirol/Margareta Contessa del Tirolo (Ausst.-Kat. Südtiroler Landesmuseum Schloss Tirol 30.06. – 19.11.2007), Schloss Tirol 2007, S. 47, Kat.-Nr. 3.4.

Barbara PÄTZOLD, „Liebes langer Mangel ist miines Herzen Angel“ – Margarete Maultasch oder Der Kampf um Tirol, in: Gerald Beyreuther/Barbara Pätzold/Erika Uitz (Hg.), Fürstinnen und Städterinnen. Frauen im Mittelalter, Freiburg/Basel/Wien 1993, S. 224–254, bes. S. 243.

Markus STEFFEN, „Melerantz von Frankreich“ – Der Meleranz des Pleier. Nach der Karlsruher Handschrift. Edition – Untersuchungen – Stellenkommentar (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 48), Berlin 2011.

Hans WIESER, Der Brautbecher der Margarete Maultasch (Schlern-Schriften 234), Innsbruck 1965.

  • Material & Technik

    Silber, getrieben, vergoldet

  • Maße

    10,4 cm x 13,5 cm

  • LMST Inv.-Nr.

    702295 (Replik)

    Orig. Kunsthistorisches Museum Wien, Sammlung Schloss Ambras, Inv.-Nr. KK 52.