Die Tiroler Münze

2 Berner, 2 Kreuzer, 2 Vierer

Seit Karl dem Großen war im Deutschen Reich der auf dem Vorbild des römischen Silberdenars beruhende Pfennig die gängige Münzeinheit. Er wurde im Laufe der Zeit an verschiedenen Orten geprägt, mit teils unterschiedlichem Münzwert. Dieser entspricht dem Metallwert: eine Reduzierung der Münze in Größe und Gewicht oder die Verwendung von unreinem oder mit niederwertigerem Kupfer legiertem Silber senkt den Wert.

Die kleinste Münzeinheit im Tiroler Raum war der Veroneser Pfennig oder Berner (Bern = alter deutscher Name für Verona), der auch in Tirol geprägt wurde.

Im 13. Jh. wurde zusätzlich zum Tauschhandel immer mehr Münzgeld verwendet. Dies machte die Einführung von höherwertigen Münzen nötig. Meinhard II. von Tirol-Görz reagierte darauf mit der ersten Mehrpfennigmünze des deutschen Sprachraumes. Die ab 1259 in Meran geprägten „Adlergroschen“ mit einem Wert von achtzehn bis zwanzig Bernern zeigen auf einer Seite einen Adler, auf der anderen Seite ein Prankenkreuz.

1274/75 brachte Meinhard II. neue „Meinhardzwanziger“ in Umlauf. Sie ähneln den Adlergroschen (vgl. LMST Inv.-Nr. 702173): das eine Kreuz wird durch zwei übereinanderliegende Prankenkreuze ersetzt, statt des kaiserlichen Reichsadlers wird erstmals der Tiroler Adler verwendet, und die Aufschrift nennt den Münzherrn „MEINARDVS COMES TIROL[is]“ (= Graf von Tirol). Nach dem Doppelkreuz wurde die Münze auch „Kreuzer“ genannt. Ihr hoher Silberwert trug viel zu ihrem Ansehen bei. Im süddeutschen und norditalienischen Raum war der Kreuzer bzw. der „Tirolino“ weit verbreitet, viele lokale Münzstätten prägten ihn nach.

Die 1274–1335 geprägten Zehnbernerstücke mit einem einfachen Kreuz auf beiden Seiten waren nur lokal im Umlauf.

Meinhards Sohn Heinrich gab nach 1310 Vierbernerstücke heraus, die die Lücke zwischen den geringwertigen Bernerstücken und den Zehnern überbrückten.

1477 wurde die Münzstätte von Meran nach Hall in Nordtirol verlegt.

Literatur

Helmut RIZZOLLI, Das mittelalterliche Münzwesen im alttirolischen Raum, in: Heinz Moser/Helmut Rizzolli/Heinz Tursky, Tiroler Münzbuch. Die Geschichte des Geldes aus den Prägestätten des alttirolischen Raumes, Innsbruck 1984, S. 11–60, bes. S. 43–49.

  • Material & Technik

    Silber

  • LMST Inv.-Nr.

    Südtiroler Landesdenkmalamt (LMST Inv.-Nr. LG 6/1, LG 6/2, LG 6/6, LG 6/7, LG 6/8, LG 6/10)