Kusstafel

Mitteleuropa, Mitte 15. Jh.

Als Kusstafel (auch pax, osculatorium oder Friedenstafel) werden kleine, kunstvoll gestaltete Täfelchen aus vergoldeter Bronze, Silber, Holz oder Elfenbein bezeichnet, die seit dem 13. Jh. beim liturgischen Friedenskuss während der Messe vom Priester ausgewählten Gläubigen zum Kuss gereicht werden. Bei besonderen Anlässen konnte damit auch ein Ablass (Sündenvergebung) verbunden sein. Die Form des Pacificale (lat. „pacem facere“ = Frieden schließen) greift die Typologie eines Retabels auf, die reliefierte Bildtafel wird von einem maßwerkdurchbrochenen Wimperg überfangen, über den seitlichen Rändern sitzen Türmchen. Das Bildfeld zeigt unter einem Triforium die Kreuzigung in Begleitung der hl. Katharina von Alexandrien (mit Rad und Märtyrerpalme) und des hl. Johannes des Täufers (mit dem Lamm).

Die Stilistik lässt die Schmiedearbeit in die Zeit um 1440 datieren. Die Form der Figurenanordnung korrespondiert mit einem Paxinstrument im Catharijnenconvent in Utrecht (Deutschland oder Frankreich, 15. Jh., Inv.-Nr. ABM bi764), welches ein Elfenbeinrelief mit den Figuren der Kreuzigung unter einem dreifachen Bogen umschließt. Die Formen der Gewänder der Assistenzfiguren Maria und Johannes enden in geschwungenen Falten. Am unteren Rand sind Glassteine in eigenen Halterungen platziert. Rückseitig ist ein sekundär erneuerter Griff angebracht, welcher die Haltung der Kusstafel bei ihrer Darreichung durch den Liturgen unterstützte.

  • Material & Technik

    Silber, Emaille, Edelsteine

  • Maße

    18,6 cm x 10 cm x 7,5 cm

  • LMST Inv.-Nr.

    701774

    Ankauf Antiquitäten Barnabé, Meran, 2007