Stutzen mit Perkussionsschloss

Franz Schlögl, Innsbruck, um 1816

Der Stutzen ist die Waffe der Tiroler Jäger und Schützen. Die kurzen Vorderladergewehre konnten in Gebirge und Wald leicht transportiert werden, der gezogene Lauf erhöhte die Treffsicherheit. Im geschnitzten Kolben dieser Waffe ist ein Fach für Zubehör eingebaut, der Ladestock sitzt unter dem achtkantigen Lauf. Das Wappen am Zündschloss verweist auf die Familie Grebmer zu Wolfsthurn (Bayerische Linie); am Lauf eingeätzt ist der Name des „Franz Schlöegl zu InnsbrucK“ (1760–1821), seit 1788 Büchsenmachermeister in Innsbruck.

In den Städten und Märkten, auch in einzelnen Dörfern waren Büchsenmacher ansässig. Sie bauten und reparierten die Waffen von Miliz, Standschützen und Adel. Der Dekor mit Blechbeschlägen, Vergoldung, Ätzung und Gravuren ist in der Regel ebenfalls Arbeit des Büchsenmachers. Tischler und einige wenige „Büchsenschifter“ fertigten die Schäftungen.

Seit dem Tiroler Landlibell von 1511 oblag die Landesverteidigung von Tirol dem Landsturm, dem Aufgebot aller Wehrfähigen. Diese hatten das Recht, eine Waffe zu besitzen und zu tragen, und nutzten sie vor allem in der Freizeit zum Scheibenschießen.

1703 gelang es den Scheibenschützen, einen Einmarsch bayrisch-französischer Truppen abzuwehren. Damit begann der Aufschwung des Schützenwesens. Es bildeten sich freiwillige Schützenregimenter, Schießstände entstanden, Schießwettbewerbe mit beträchtlichen Preisen waren Teil jeder Festlichkeit.

Die Tiroler Standschützen waren wegen ihrer Treffsicherheit geachtet. Bis um 1800 verwendeten sie vergleichsweise altmodische Stutzen mit Radschloss, die als Familienerbstücke weitergegeben wurden. Durch den ständigen Umgang damit erzielten sie jedoch bessere Resultate als die Milizen mit ihren Waffen aus den öffentlichen Zeughäusern. Erst Anfang des 19. Jh. wurden die Radschlösser durch das neu entwickelte Perkussionsschloss ausgetauscht.

Literatur

Erich EGG, Das Handwerk der Uhr- und der Büchsenmacher in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien Folge 36), Innsbruck 1982, S. 232–233.

  • Material & Technik

    Eisen, Holz, Silber

  • Maße

    122,7 cm x 8,5 cm x 17,5 cm

  • LMST Inv.-Nr.

    700606
    (Ankauf aus Privatbesitz, Meran, 2002)