Schedelsche Weltchronik: Verbrennung der Juden in Deggendorf

Hartmann Schedel (Red.), Michael Wohlgemut und Wilhelm Pleydenwurff (Holzschnitte), Nürnberg, 1493

Zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurden Hexen, aber auch Ketzer und Juden.

Ihnen wurde vorgeworfen, mit dem Teufel und Dämonen Verbindungen eingegangen zu sein und durch Hostienschändungen, Ritualmorden an Kindern und Schadenzauber die christliche Gemeinschaft zu zerstören.

Der (Aber)Glaube an Zauberei und Magie gehörte bis weit in die Neuzeit zum Alltag. Für Schadenzauber und die Abwehr von Unheil kamen ähnliche Praktiken zum Einsatz: Amulette, Sprüche und rituelle Handlungen. Davon unterschied sich das im 13. Jh. entstandene Bild der Hexe. Diese hatte sich von Gott ab- und dem Teufel zugewandt, typische Merkmale von Hexerei sind Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug und Hexensabbat.

In Tirol kamen auf eine Anklage wegen Hexerei drei wegen Zauberei. Von 72 belegten Todesurteilen wurden 26 durch Verbrennen, 43 durch Enthaupten mit anschließendem Verbrennen der Leiche vollstreckt.

Mittelalterliche Weltchroniken versuchen, das gesamte Weltgeschehen darzustellen: von der Schöpfung bis zum jüngsten Gericht. Die erste Chronik dieser Art stammt bereits aus der Mitte des 13. Jh. Am bekanntesten ist das in Nürnberg 1493 zuerst in Latein, kurz darauf auf Deutsch erschienene „Liber chronicarum“, nach seinem Redakteur Hartmann Schedel „Schedelsche Weltchronik“ genannt. Bemerkenswert sind die etwa 2.000 handkolorierten Holzschnitte, die meisten davon Stadtansichten. Manche Orte sind hier zum ersten Mal abgebildet.

Literatur

Stephan FÜSSEL, Das Buch der Chroniken, in: Hartmann Schedel, Weltchronik. Kolorierte Gesamtausgabe von 1493, Lizenzausgabe Ljubljana 2004, S. 8–37.

Hansjörg RABANSER, Hexenwahn. Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Innsbruck/Wien 2006, S. 93, S. 156.

  • Material & Technik

    Papier, bedruckt

  • Maße

    41 cm x 30 cm

  • LMST Inv.-Nr.

    700686